Bei einem Festakt zum 50. Jubiläum wurde deutlich, mit welchen gesellschaftlichen Kräften sich Lehrkräfte und Schullandheime aktuell messen müssen. Wie können sie Schülern etwas bieten?

Vor 50 Jahren wurde das Schullandheimwerk Unterfranken gegründet. Es waren visionäre Lehrkräfte, die sich am 28. Oktober 1972 im Schulamt Schweinfurt zusammen fanden, um neue und andere Ideen von Erziehung, Schulunterricht und Pädagogik umzusetzen. Unter dem Dach des Schullandheimwerks sind heute sechs Schullandheime beheimatet: Bauersberg, Hobbach (beide Schullandheim Hobbach-Bauerberg gGmbH), Leinach (Landkreis Würzburg), Rappershausen (Gemeinde Hendungen), Reichmannshausen (Landkreis Schweinfurt) und Schwanberg (Geistliches Zentrum Schwanberg e.V.).

Die Stadt Schweinfurt möchte das Schullandheim am Bauersberg abstoßen. Geplant war das schon für Ende 2021 und wurde um ein Jahr verlängert. Wie geht es am Bauersberg weiter? Der Geschäftsführer der Schullandheim Hobbach-Bauersberg gGmbH, Markus Seibel erläuterte gegenüber dieser Redaktion den aktuellen Stand und die weiteren Pläne.

"Ich blicke zuversichtlich in die Zukunft, was den Erhalt des Schullandheims anbetrifft." Die Stadt Schweinfurt sei daran interessiert, dass der Bauersberg ein Schullandheim bleibe. Derzeit werde ein Verkehrswertgutachten erstellt, um den Wert der Anlage beziffern zu können.

Seit gut einer Woche sind über 30 ukrainische Flüchtlinge im Schullandheim Bauersberg untergebracht, vorrangig Frauen mit Kindern. Bürgermeister Georg Seiffert ist dankbar für die ehrenamtliche Unterstützung, die von Anfang an aus der Bevölkerung heraus erbracht werde. Eng sei der Kontakt zur orthodoxen Kirchengemeinde in Bischofsheim, deren Vertreter mit sprachlicher Unterstützung helfen. Aber auch Privatleute, Helfer des Roten Kreuzes und die Caritas Rhön-Grabfeld engagieren sich.

Die ärztliche Versorgung sei schnell sichergestellt worden. "Unsere Gäste und besonders die Kinder fühlen sich allesamt wohl und sehr gut aufgenommen", so der Bürgermeister. Natürlich sei die Situation schwierig und es sei kaum nachvollziehbar, was die Menschen auf ihrer Flucht erlebt haben. "Wir geben uns alle Mühe, dass sie hier gut aufgehoben sind."

Auch wenn es zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar ist ob und mit welchen Auflagen Präsenzveranstaltungen in den beiden Häusern des Rhöniversums, dem Schullandheim Bauersberg und der Umweltbildungsstätte Oberelsbach, stattfinden können, haben die Verantwortlichen für die jährlichen Lehrerfortbildungen ein neues Programm zusammen gestellt.

Fehlende Planungssicherheit, staatliche Vorgaben und Rückzahlungen von Hilfsgeldern setzen dem Schullandheim Bauersberg zu. Markus Seibel (Geschäftsführer der Schullandheim Hobbach-Bauersberg gGmbH) und Dr. Andrea Schmitt (Leiterin des Studienhauses am Bauersberg) sitzen in einem leeren, aber wohl temperierten Gebäude. Geheizt werden müssen die alten Gebäude, die Aufenthaltsräume, die Werkstätten und das Labor. "Heizen wir nicht verrosten und verschimmeln uns die Geräte in der Werkstatt", erklärt Schmitt.

Keine Schülerinnen und Schüler, keine Lehrkräfte und das Personal in Kurzarbeit. Eine trostlose Situation, in der es nicht einfach ist, den Mut und die Zuversicht nicht zu verlieren. Seibel betont, dass er im Grund niemand sei, der schnell über das Schicksal klage, doch so langsam werde es Zeit, dass es auch für die Schullandheime eine Perspektive gebe.

Kurz vor Schuljahresbeginn gab das bayerische Kultusministerium grünes Licht für die Schullandheimaufenthalte und Klassenfahrten.

Auf diesen Augenblick hatte Claudia Markert, Unterstufenbetreuerin an den Walther-Rathenau-Schulen, sehnlich gewartet. "Es wird höchste Zeit, dass die Kinder wieder soziale Kontakte knüpfen und Klassengemeinschaft erleben können."

Der Holunder gilt in der Mythologie der Germanen als Beschützer von Haus und Hof. Dies ist für das Schullandheim Bauersberg in der aktuellen Zeit mehr als wichtig. Im Dezember 2020 hat die Stadt Schweinfurt als Eigentümer von Gebäude und Gelände entschieden, sich vom Schullandheim Bauersberg zu trennen. Derzeit stehen die Verantwortlichen der Schullandheim Hobbach-Bauersberg gGmbH mit zahlreichen Akteuren in Landkreis Rhön-Grabfeld im engen Kontakt.

„Gemeinsam arbeiten wir derzeit an einer Zukunftsperspektive für den Bauersberg – als Schullandheim mit den Schwerpunkten Umweltbildung, MINT, Wasserschule und Demokratieerziehung“, erklärte der Geschäftsführer Markus Seibel. „Alle Planungen und Gespräche sind von großer Zuversicht geprägt, dass die Schullandheimarbeit am Bauersberg auch bei einem Wechsel der Eigentumsverhältnisse erfolgreich weitergeführt werden wird.“ Bischofsheims Bürgermeister Georg Seiffert betont: „Die Stadt Bischofsheim hat ein Interesse daran, dass alles eine positive Entwicklung nimmt.“

Die Wasserschule des Schullandheims Bauersberg geht online. Dr. Andrea Schmitt, die Leiterin des Studienhauses, legte für Experimente der Wasserschule einen Actionbound an. Damit stehen zumindest diese Angebote der Wasserschule nicht mehr nur Schulklassen, die im Schullandheim zu Gast sind, zur Verfügung, sondern jedem Interessierten, der sich über die App einwählt. Speziell eingeladen sind Familien und Schüler, um die Experimente zu Hause selbst vorzunehmen.

Für Lehrkräfte sind zugleich fachbezogene Informationen enthalten, die als Lehrmaterial für Schulklassen und Hausaufgaben herangezogen werden können, erläuterte Dr. Schmitt. Aufgrund der Corona-Pandemie sei das Schullandheim zwar nach wie vor geschlossen, doch Schmitt nutzte die Monate, um Module zu überarbeiten und zu aktualisieren sowie bewährte Experimente zu digitalisieren.

Die Bischofsheimer Stadtrallye kann nun nicht nur von Schülern des Schullandheims, sondern von jedermann gespielt werden. Worum geht es dabei und wie funktioniert das Ganze?

In Bischofsheim wusste nahezu jeder schon Bescheid, wenn eine Horde Schüler mit Fragebogen ausgerüstet, durch die Gassen zog und Passanten oder Geschäftsinhabern Fragen zu Bischofsheim, seiner Geschichte und seinen Besonderheiten stellte. Denn die Schüler vom Schullandheim Bauersberg absolvierten die Stadtrallye. Coronabedingt waren schon lange keine Schüler mehr mit ihren Fragen unterwegs, das Schullandheim hat seit nunmehr über einem Jahr geschlossen.

Die Leiterin des Studienhauses, Andrea Schmitt, hat die Zeit genutzt, um Bildungsmodule zu überarbeiten, zu aktualisieren und Neues aufzunehmen. Einiges wurde auch digitalisiert, dazu zählt die Bischofsheimer Stadtrallye, die nun als "Actionbound" per App vom Handy aus gespielt werden kann. Damit steht die Stadtrallye nicht mehr nur den Schülern des Schullandheims Bauersberg, sondern allen Interessierten zur Verfügung.

Mit einer Spende in Höhe von 1000 Euro unterstützt das Großbardorfer Industrieunternehmen IFSYS das Schullandheim Bauersberg. "Unser sozialer Auftrag ist uns stets sehr wichtig", sagt IFSYS-Geschäftsführer Adelbert Demar. "Wie viele andere kann auch das Schullandheim seinem Geschäft aktuell nicht nachgehen, sodass wir hier helfen wollten." IFSYS verzichtet traditionell auf Weihnachtspräsente für Kunden und Geschäftspartner und unterstützt stattdessen soziale Projekte und Einrichtungen. "Die Einrichtung ergänzt sich gut mit unserer Firmenphilosophie", erklärt Demar die Entscheidung zugunsten des Bauersbergs. "Auch das Umweltprogramm der Einrichtung deckt sich mit unseren Ansichten in Sachen ökologisches und nachhaltiges Handeln", so Demar.

Auch wenn für die Einrichtungen des Rhöniversums noch nicht klar ist, wann sie für Schulklassen wieder öffnen werden dürfen, Lehrerfortbildungen bieten das Schullandheim Bauersberg (Bischofsheim) und die Umweltbildungsstätte (Oberelsbach) in den nächsten Monaten einige an. Im Schullandheim Thüringer Hütte, das ebenfalls zum Rhöniversum gehört, werden in diesem Jahr keine derartigen Veranstaltungen angeboten. Alle drei Einrichtungen sind Träger des Qualitätssiegel Umweltbildung Bayern.

Hoffnungsvoll blicken die Vertreter des Rhöniversums in die Zukunft – trotz Lockdown und fehlender konkreter Perspektive. Staatliche Finanzhilfen führen über die trüben Zeiten. Die Schullandheime Bauersberg (Bischofsheim), Thüringer Hütte (Hausen) und die Umweltbildungsstätte (Oberelsbach) bilden das Rhöniversum. Sie haben unterschiedliche Bildungsangebote und räumliche und strukturelle Voraussetzungen, sodass sie auch während der Corona-Pandemie verschiedene Wege gefunden haben. Alle drei Einrichtungen sind Träger des Qualitätssiegels Umweltbildung Bayern.

logorhoeniversum
­